LUPINALE: KUNST-/KULTUR-SOMMER 2022 SÜDWEST-MECKLENBURG

06.06.2022 um 14:00—17:00 Uhr bis 11.09.2022

LUPINALE 2022 – Kunst/Kulturrat-LUP / kulturforum PAMPIN „Zeitenwende: Blickwinkel - Sichtfelder – Lichtblicke“ Die LUPINALE, die 2021 durch das kulturforum PAMPIN in Kooperation mit dem KreisKunstKulturRat-LUP als neues Ausstellungsformat mit Kunstroute im Landkreis Ludwigslust-Parchim (LUP) ins Leben gerufen wurde, vernetzt 2022 wieder Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen an besonders markanten Orten der Region Südwest-Mecklenburg zwischen den Elbauen und der Seenplatte. die sich durch einzigartige Sehenswürdigkeiten auszeichnen: Festung Dömitz, Burg Neustadt-Glewe, Gewächshaus auf dem Gelänge der PG Storchennest neben dem Schlosspark in Ludwigslust, St. MarienKirche im Stil der Backsteingotik in Parchim, Skulpturenpark des kulturforums PAMPIN, Eldepark bei Matzlow-Garwitz an der alten, naturbelassenen Elde. Die Verknüpfung der Kunst- und Kulturangebote erfolgt mittels eines gemeinsamen Werbeauftritts in Plakaten, Flyern und auf Online-Plattformen. Dahinter steht die Idee, „gemeinsam sind wir stark“, gemeinsam haben wir einen größeren Wirkungsradius. Die zentrale Botschaft ist zum Einen, dass der Landkreis zwischen „Kunst Offen“ (an Pfingsten) und „Kunst Heute“ (um den 3. Oktober) zusätzlich – sozusagen mittendrin - mit einem reichhaltigen, attraktiven Kunst-/Kulturangebot aufwartet, das zu besuchen sich lohnt – auch als Rundreise. Und zum Anderen wird die klassische Präsentationsidee, dass kunstinteressierte Besucher*innen sie ansprechende Ausstellungen aufsuchen insofern umgekehrt, dass die LUPINALE mit ihren Kunst- und Kulturangeboten an außergewöhnlichen Orten im Landkreis stattfindet, die aufgrund ihrer Attraktion viele Besucher*innen anziehen, d.h. Kunst und Kultur werden zu den Menschen gebracht. Auf diese Weise soll die LUPINALE das Profil des Landkreises LUP nach innen und außen schärfen, und zwar als eine innovative, lebendige und lebenswerte Kulturregion mit attraktiver Ausstrahlung bis in die Randbezirke des großen Landkreises und bis in die Metropolregionen Hamburg und Berlin sowie mit Blick auf die vielen Sommergäste, die Mecklenburg-Vorpommern als Urlauber besuchen:  mit hochwertigen Angeboten zeitgenössischer Kunst, Kultur und Kulinarik bereichert die LUPINALE die Lebensqualität der Menschen im LK LUP;  sie bietet den Künstler:innen und Kulturschaffenden der Region eine neue „Bühne“;  zieht neue Besucher:innen an (von nah und fern)  und sorgt dafür, dass Kunst, Kultur und Kulinarik (als „Dreigestirn“) mehr als bisher in die wirtschaftliche/touristische Wertschöpfungskette eingebunden werden. Kurzum: Die LUPINALE ist ein-Projekt mit vielfältigen positiven Effekten für die Entwicklung des Landkreises LUP und seine Bewohner:innen; sie integriert zahlreiche Kulturschaffende mit dem Fokus auf eine gemeinsame übergeordnete Zielsetzung. Die LUPINALE wird gefördert vom Landkreis LUP, von der Stadt Ludwigslust und den Stiftungen der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin (angefragt). Schirmherr ist – wie bereits 2021 – der ehemalige Landrat Rolf Christiansen. Die einzelnen Ausstellungen und kulturellen Angebote werden vor Ort – großenteils ehrenamtlich – kuratiert/organisiert; die Räumlichkeiten werden von den jeweiligen Trägern frei zur Verfügung gestellt. Die übergeordnete Regie und Koordination liegen in den Händen des gemeinnützigen kulturforums PAMPIN, das ausschließlich ehrenamtlich arbeitet und u. a. das Ziel verfolgt, den Landkreis – insbesondere die ländlichen Regionen – kulturell zu fördern. In diesem Jahr steht in Ludwigslust ein Gewächshaus (mit einer Länge von 50 m) auf dem Gelände der PG Storchennest neben dem Ludwigsluster Schlosspark als ein besonders ungewöhnlicher Ausstellungsort neu im Angebot und im Zentrum der LUPINALE. Die illustre Reihe der von den Juroren Prof. Dr. Wolfgang Vogt und Hellmut Martensen ausgewählten Künstler:innen vertreten mit ihren Kunstwerken bedeutsame Positionen der gegenwärtigen Kunst, die sich mit ihren Blickwinkeln und Themenfelder einzelnen Aspekte der Zustände und Entwicklungen in unserer unruhigen Zeit widmen. Für Halina Bober Ist die Verbindung des ausgeprägten graphischen Denkens und Sehens mit der Malerei für ihre Werke charakteristisch. Dazu erläuternd die Künstlerin mit eigenen Worten: „Meine Bilder sind Produkt einer malerischen Leidenschaft, die zwischen konkreten und auflösenden Formen und Farbensprache, in der die strengen graphischen Regeln im malerischen Prozess überschritten und überspielt werden konnten. Die graphische Elemente benutze ich oft als Versatzstücke, die ihre Positionen im Bild verändern, in Beziehung zueinander treten und die Spannung Ihre Werke steigern. Im künstlerischen Prozess entstandene Bilder mit geometrischen Formen, hier in den Werken sind das z. B. Quadrate und Kreise, die oft in mehreren transparenten halbtransparenten und undurchlässigen Schichten, streng geordnet, lassen beim Betrachter eine optische Raumillusion entstehen.“ Carlo Cazals eröffnet mit seiner Malerei – die er als Irrationalen Surrealismus bezeichnet – tiefe Einblicke in existenzielle Befindlichkeiten, wechselnde Stimmungen und Gefühle, vitale Antriebe und Ängste. Das Rumoren des Innenlebens, das Gewirr der Gefühle und die Leiden (bisweilen auch die erotischen Freuden) des Lebens werden vom Künstler in einprägsamer zeichnerisch-malerischer Ausdrucksweise dargestellt – mit sicherer Federführung, freiem Pinselschwung, flanierender Phantasie und skurrilen, verschlungenen Motiven. Das Leiden an der Welt wird verinnerlicht. Die schonungslose Offenlegung des Inneren macht betroffen. Anka Kröhnke setzt dem gegenwärtigen Leid und Schrecken einen Hoffnungsschimmer entgegen. Sie fertigt viele ihrer farbenfrohen, frohstimmenden, poetisch und lebendig anmutenden Objekte aus Leichtmetallstreifen an, die sie durch das Zerschneiden von Getränkedosen gewinnt. Ihre Kunstwerke sind nicht nur ästhetisch und mit großer Raffinesse komponiert; - sie sind wahre Lichtblicke in widrigen Zeiten. Beim Betrachten ihrer Werke scheinen sich Glückshormone in Bewegung zu setzen, die die Stimmung aufhellen und optimistische Gefühle erzeugen. Ralf-Rainer Odenwald ist mit seiner exzellenten Malerei am „Nabel der Zeit“. Die von ihm luzide mit Öl oder Acryl übermalten und verfremdeten Collagen auf Leinwand sind ein zeitgeistiges Zerr- und Spiegelbild der EGO-Gesellschaft, wie sie sich – oft irritierend - in den sozialen Netzwerken präsentiert. Odenwald schaut von außen nach innen und legt das Innere derjenigen offen, die sich in allen erdenklichen Outfits und Posen mit Hilfe ihrer Selfies auf den einschlägigen Plattformen im Internet präsentieren. Diesen Selbstinszenierungen, so unterschiedlich sie sind, haftet per se eine melancholische Aura an. Diese macht der Künstler nicht nur sichtbar, sondern auch fühlbar. Er studierte an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Gotthard Graubner, Hans Tiemann und Joseph Beuys. Seit 1977 ist er freischaffender Künstler in Hamburg und Dithmarschen. Von 1989 bis 1994 nahm Odenwald Lehraufträge für Malerei an den Fachhochschulen für Gestaltung in Darmstadt und Hamburg an. In den Jahren 1995, 1998 und 2008 war er Gastprofessor an der Sommerakademie Pentiment, Hamburg. Odenwalds Arbeiten befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen des In- und Auslandes. Er lebt und arbeitet in Schafstedt (Kreis Dithmarschen). Hellmut Martensens Druckgrafiken zum Thema Pflanzen und Landschaften vermitteln die Zuversicht, dass die Natur stark genug ist und soviel Kraft hat, dass sie sich letztendlich den Klima- und Umweltschäden, dem Raubbau durch den Menschen widersetzt, dass sich immer wieder neue Triebe bilden – im ewigen Kreislauf vom Werden, Wachsen und Vergehen. Seine Druck- und Malkunst hat klassische Qualitäten und ist durch beeindruckende Professionalität geprägt. Er beherrscht meisterhaft anspruchsvolle Drucktechniken, ist kreativ und sehr variantenreich bei der experimentierfreudigen Bearbeitung seiner breiten Themenpalette – immer auf der Suche nach einer spannungsreichen Balance zwischen konkreter und abstrakter Darstellung. Holger Matthies ist einer der bedeutsamsten Plakat- und Grafikkünstler mit weltweitem Ansehen, dem in seiner langjährigen Schaffenszeit zahlreiche Arbeiten gelungen sind, die den Status von Ikonen haben und denen weit über ihren aktuellen Bezug hinaus ein herausragender Platz in der zeitgenössischen Druck-Kunst zukommt. „Das internationale Renommee von Holger Matthies gründet vor allem in seinen metaphorischen Bilderfindungen und surrealen Objektinszenierungen, die auch ohne viele Worte schlagartig beeindrucken“. (Museum der Arbeit, Hamburg). Er ist vor allem als genialer Gestalter von Plakaten für Kulturveranstaltungen bekannt geworden. Getrieben von seiner Leidenschaft für das Plakat wirbt er mit nie versiegender Kreativität für Theater- und Opernaufführungen, für Kunst- und Museumsausstellungen, für Musik- und Kabarettveranstaltungen. In seinen freien Arbeiten entwirft er gesellschaftspolitische Poster von hoher Eindringlichkeit und treffender Schärfe zu brennenden Themen der Gegenwart - wie dem Rassismus, dem Militarismus, dem Krieg und immer wieder dem Frieden. Sein Motto: „Plakate sollen wie Klappmesser sein - aufspringen, sezieren und unter die Haut gehen.“ 1994 erfolgte die Berufung zum Professor für visuelle Kommunikation an der Universität der Künste in Berlin. Immer wieder wird er im Laufe seiner langen Schaffenszeit mit renommierten Preisen für seine Arbeiten ausgezeichnet: So z.B. erhielt er 1976 die Goldmedaille des Deutschen Plakatmuseums, 1980 und 1990 die Goldmedaille der Internationalen Plakatbiennale in Warschau, 1981 den Edwin-Scharff-Preis der Stadt Hamburg, 1984 die Henri de Toulouse-Lautrec Medaille in Silber und 1990 in Gold, 1993 den Merrit Award des Art Directors Club New York und 2002 die Silbermedaille der Hong Kong International Poster Triennial. Die aus einem Schuttberg herausragenden ver- und benagelten Beton-Köpfe von Ping Qiu mit dem Titel „Screaming and Crying“ sprechen eine mehrdeutlige Sprache: Sie weinen, ohne zu verzweifeln, schreien vor Wut, wollen überleben, wirken aggressiv und sind kampfbereit. Ihre Kunst ist eindrücklich und doppeldeutig – es geht um Zerstörung und Verzweiflung, um Angst und Aggressivität, um Leben und Tod. Die Konzeptkünstlerin Tina Schwichtenberg geht als ausgewiesene Konzeptkünstlerin auf die großen Krisen unserer Zeit ein. Die Bürsten-Installation symbolisiert die Corona-bedingte Einengung des Entfaltungsradius durch die Rückkehr in die Häuslichkeit – insbesondere der Frauen. Die fragilen, schwankenden Schiffchen erinnern an gefährliche, lebensbedrohliche Flucht – auch über Land. Das Beet mit künstlichen Blumen führt uns Absurditäten unserer Lebensweise und die damit einhergehenden Folgen von Umwelt- und Klimaschäden vor Augen. Die Künstlerin setzt mit profanen Mitteln markante Zeit:Zeichen zu relevanten Themen, die ohne Erklärungen nachhaltige Impulse auslösen. Die Verwendung primitiver Mittel und Materialien ist keineswegs banal, sondern eines der Prinzipien ihrer Konzeptkunst, durch die sie die Essenz komplexer Thematiken intuitiv „auf den Punkt“ bringt. Jutta Schwöbel fängt die bedrohliche Lage, in der wir uns befinden, mit beängstigenden Schattenfotos ein. Mit der Auswahl aggressiver Rabenbilder voller Dynamik – die einer umfangreichen Serie entstammen - gelingt ihr ein wesentlicher Beitrag zur „Zeitenwende“: Wir dürfen uns nicht länger wegducken, wie müssen wehrhaft sein und uns auf bösartige Attacken und existenzielle Krisen einstellen. Ihre exzellente Fotokunst arbeitet mit sinnhaltigen Metaphern, die unter- und hintergründige Zusammenhänge sichtbar und damit bewusst machen. Angela Zander-Reinert reagiert emotional tief berührt auf die persönlichen und politischen Herausforderungen unserer unruhigen Zeit. Sie malt sich in der Werkgruppe das Leid aus der Seele, lässt die Hirsche brüllen und Wölfe die Zähne fletschen („Wildtiere 2020/21). Im Kontrast dazu vermitteln die farbfrohen, stillen Waldszenen („Duvenstedter Brook 2019-2021“) eine friedliche Stimmung, sie lassen aufatmen und entspanntere Zeiten erhoffen. Ihre expressive Malkunst setzt sich immer wieder mit sehr unterschiedlichen Themen und Szenen unserer Zeit auseinander. Sie visualisiert gegenläufige Erscheinungen und Entwicklungen; wobei der Duktus ihrer Malerei - der schnelle Pinselstrich, die reinen Farben und der lebhafte Ausdruck - ihre unverkennbare Handschrift ausmachen. Angesichts der grausamen Bilder des in der Ukraine tobenden Krieges erinnerte sich Boris Duhm an den Ausspruch Theodor W. Adornos „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch“. Er konnte „als Kunstschaffender nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“. Es war ihm ein zutiefst inneres Bedürfnis, die Schrecken des Krieges in Bildern zu verarbeiten. Dabei ließ er sich nicht nur von aktuellen Berichterstattungen, sondern auch von Bildern von Käthe Kollwitz, Pablo Picasso und Francisco de Goya inspirieren. Die Reliefdrucke aus geklammerten Tetra Verpackungen reflektieren den Ukraine-Krieg als das, was er ist: eine erschreckende Finsternis, eine Menschenleben verachtende, Existenzgrundlagen zerstörende Gewalttat. Aber in all diesem unendlichen Leid schimmert auch Hoffnung auf: z. B. ein Kampfflugzeug, das sich in einen Vogel verwandelt, zwei Hände, die sich zueinander ausstrecken in einer helfenden Geste. Diese Palette der ausgewählten Künstler*innen – die sich nach Thematik, Ästhetik, Technik und Haltung unterscheiden – repräsentieren in ihrer Vielfalt wesentliche Standpunkte und Blickwinkel zeitgenössischer Kunst. Aufgrund ihrer Prägungen, Intentionen und Orientierungen selektieren sie sehr unterschiedliche Blickfelder und setzen ihre Eindrücke künstlerisch mit ihrer individuellen Handschrift in bedeutsame Kunst der Gegenwart um. Die aktuellen Öffnungszeiten der Ausstellung können der Internetseite www.lupinale.de (ab 1.6.2022) entnommen werden.

 
 

Veranstaltungsort

Gewächshaus der PG Storchennest Friedrich Naumann Allee 26

 

Veranstalter

Kunst/Kulturrat-LUP / Kulturforum PAMPIN Prof. Wolfgang Vogt

 
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